Trink.Kakao!

Trink.Kakao!

Bäcker-Regel Nr. 1: Stell dir den Wecker. Regel Nr. 2: Der Kunde soll wissen, was er kauft. Damit auch bloß kein Missverständnis aufkommt. Deshalb steht Brot dort geschrieben, wo das Brot liegt. Und im Amerikaner steckt das Schildchen: Amerikaner. Das ist guter Service, wie wir ihn vom Bäcker unseres Vertrauens kennen. Vermutlich, um sich von der Masse abzuheben, hat sich jetzt eine Großbäckerei am Bahnhof eine besondere Maßnahme zur Kundenorientierung erdacht: den Hinweis zur Handhabung des Produkts. Anders ist es kaum zu erklären, warum neben dem Kakao unmissverständlich geschrieben steht, wozu er in Päckchen gepresst wurde. Um ihn mit Hilfe eines Strohhalms zu trinken. Aha. Klar. Gut, dass es dort so genau steht. Sonst , könnten frustrierte Bahnkunden ihn fur den bekannten Wurf-Kakao halten. Und damit ein Zielwerfen auf den Dienst habenden Bahnhofsmanager im Infopoint veranstalten, falls der Zug wieder Verspätung hat.

Hurensohn

Nicht nur jedem Anfang, sondern auch manchen Momenten wohnt ein Zauber inne. Sogar auf Bahnhöfen.

Ein normaler Werktag zur Feierabendzeit: Die trüben Pendleraugen hellen sich auf, als sie ein blondes Wesen am Fahrkartenautomaten erblicken, bei dem sich der Schöpfer ganz besondere Mühe gegeben hat. Langes, engelgleiches Haar, das den feinen Linien ihres Gesichts einen würdevollen Rahmen verleiht. Weich fallen die Locken den Rücken hinunter. Dazu ein Figürchen, das Wolfgang Joop die Tränen in die Augen treiben würde. Und dann diese langen Beine – selbstverständlich in edle italienische Designer-Jeans gehüllt. Die Habseligkeiten verstaute sie in einer Louis-Vuitton-Tasche.

Was sie wohl für eine Stimme haben mag?

Eine Sekunde später sollte sie erklingen:  Sie bricht den Kartenkauf überfordert ab und nennt den Ticketautomaten daraufhin einen „Hurensohn“.

Wie kurz diese zauberhaften Momente doch sind.

 

GroKo aka Wer will noch mal, wer hat noch nicht?!

Hat eigentlich irgendjemand mal wieder was von den „Grauen Panthern“ gehört? Nein? Kein Wunder. Eine Partei, die sich den Rentnern und ihrem Wohlergehen verschrieben hat, ist überflüssig geworden. Das besorgen jetzt CDU und SPD gleich mit.

60 Milliarden Euro kosten die neuen Wohltaten der Großen Koalition. Was haben wir alle „Klientelpolitik“ geschrien, als die FDP 2009 den Hoteliers die Mehrwertsteuer gesenkt hat.

Eine Milliarde Euro hat der Spaß gekostet. Lächerlich gegen den vollen Griff in die Rentenkasse der großen Koalitionäre. Und wenn die leer ist, zack, zahlen wir die Geschenke mit unseren Steuern.

Ich habe mal in der Uni gelernt, dass du dann wenn es wirtschaftlich gut läuft, Geld zurücklegst für die schlechten Zeiten. Die kommen werden. Zyklen nennt man sowas. Gab’s schon immer. Seit Anbeginn der Zeit. Offenbar ist nun aber die Phase des unendlichen Wohlstands angebrochen. Kein Kreis mehr, eine Gerade, steil nach oben….Immer raus mit dem Geld. Wir haben es ja… Wirtschaftskreisläufe sind für beendet erklärt worden. Dabei ist Pofalla gar nicht mehr Teil des Kabinetts.

GroKo, das steht für Große Kosten. Und die werden von den Dauerregierern und den “Wir-wollen-auch-mal-wieder-dran-Politikdarstellern” nicht gescheut, um sich die Stimmen ihrer Stammklientel zu sichern. Und die wächst – Wahl für Wahl: Senioren und die welche werden möchten.

Eine sichere Bank. Deutschland wird älter.
Bis irgendwann keiner mehr alt werden kann, weil keine Kohle mehr für die Pflege da ist.

Dann wird es sich rächen, dass wir 2014 den bulgarischen und rumänischen Kranken- und Altenpflegern gesagt haben, dass sie zu Hause bleiben sollen.

Der Tag danach

Der grelle Schein von Lichterketten und blinkenden Weihnachtssternen, die selbst der Stadtrat von Zabrze mittlerweile verboten hat, strahlt ein wenig matter.

Augen können wieder sehen.

Mit der tief hängenden Wolke, die alles und jeden mit dem Duft von Zimt, Bratapfel und zerplatzten Bockwürstchen umhüllt hat, muss sich dank Westwind jetzt der Russe rumschlagen.

Nasen können wieder riechen.

Die glockenhell und beschwingt vorgetragenen Lieder Rolf Zuckowskis, seinen 127 Kindern sowie zahlreicher nordamerikanischer Sänger, deren Konterfei es entweder nur in schwarz-weiß oder im weichen Licht der Homo-Erotik zu bestaunen gibt, haben verantwortungsbewusste Radioredakteure für die kommenden 48 Wochen sicher weggeschlossen.

Ohren können wieder hören.

Doch erst wenn irrlichternde Verkehrsteilnehmer nicht verständnisvoll mit den besten Wünschen für die Feiertage bedacht werden müssen, sondern mit den Worten „Pass doch auf, du Spacko“ und einer eindeutigen Handbewegung den Weg in die Hölle oder zur Umtauschkasse gewiesen bekommen,  ist klar: das Ende der Besinnlichkeit ist eingeläutet.

Irgendwie ein bisschen schade.

Am schwarzen Brett

Am schwarzen Brett

Tausche Coach gegen eine Kiste Bier. Auf den ersten Blick das verzweifelte Angebot eines offenkundig erfolglosen Sportlers. Gefunden im Supermarkt am schwarzen Brett.
Der Plan klingt plausibel: Erstmal den Trainer loswerden, ein paar Pils reinschrauben und dann geht’s schon irgendwie weiter. Im Rausch kommen ja oft die besten Ideen.
Allein das Foto neben den Offerte macht stutzig. Zu sehen ist ein schwarzes Sofa – wer Fremdsprachen mächtig ist, nennt das stilvolle Sitzmöbel auch Couch. Liegen die Stärken eher in der Athletik oder ganz woanders kann man natürlich auch Coach sagen. Kann man auch prima draufsitzen.
Daher kommt wohl auch der Spruch, ein guter Trainer ist eine sichere Bank.

Käse-Spießchen

Tempus fugit, die Zeit rennt,  sie jagt sogar dahin, reißt alles mit in ihrem mächtigen Strom und lässt es in ihren Fluten verschwinden. Manchmal aber, spült sie es irgendwo Tage oder sogar Jahre später wieder an Land – nur heißt es dann anders oder sieht anders aus. 

Fragen Sie doch heute mal in der Bahnhofskneipe nach einem leckeren Ruländer. Spritzig, fruchtig aber nicht zu säuerlich. Den gibt’s nicht mehr, der heißt jetzt Grauburgunder oder je nach Reiseaffinität des Winzers auch Pinot Gris oder Pinot Grigio. Doch dabei handelt es sich um dieselbe Rebsorte. Es klingt halt nur besser, so international. Der Gaumen soll bei jedem Schluck einen Kurzurlaub unternehmen. Und wenn schon Verreisen, dann lieber nach Italien als in den Hunsrück, haben die Marketing-Strategen ersonnen. Die hießen früher übrigens noch Werbefachleute. Auch sie können sich dem Wandel nicht entziehen, den sie selbst herbeireden. Insbesondere in der Küche.

Da ist doch der Wahnsinn zu Hause. Man nehme die Familienfeste, Wohnungseinweihungen und Scheidungspartys der vergangenen 25 Jahre. Bei Kartoffelsalat, Würstchen und kleinen Frikadellen, wie sie noch Tante Margot zu ihrem 60. auftischte, bleibt doch heute kein Gast mehr bis zum Nachtisch. In den Nudelsalat kommen auch keine Erbsen, Fleischwurst-Stücke und Mandarinen mehr, sondern getrocknete Tomaten, handgepflückte Oliven und Fetakäse-Bröckchen von linksdrehenden Schafen. Und bloß keine Spiralnudeln verwenden. Die sind so was von out. Sagen Tim Mälzer und dieser dick gewordene Koch aus England. Ich hätte übrigens nie gedacht, dass Legionen deutscher Hausfrauen und Hobbyköche auf die Ratschläge eines Küchenchefs hören, dessen Nation es fertig bringt, überraschend gelungenes Fleisch in Minz-Soße zu ersäufen und dazu ein warmes Bier zu trinken.

Es gibt jedoch eine Spezialität, die trotz Promi-Dinner, Sushi-Invasion und Dinkel-Attacken ihren Platz am kalten Buffet verteidigt hat. Die Käse-Spießchen. Erst neulich wieder genossen. Ein Würfel Gouda garniert mit einem Träubchen, respektive Mandarinen, am Zahnstocher gereicht. Fehlte nur noch der Mettigel.

Gegen den Herbst!

Allein schon dieses Lied! „Der Herbst, der Herbst, der Herbst ist da! Er bringt uns Wind, hei hussassa! Schüttelt ab die Blätter, bringt uns Regenwetter….” Schon in seinen frühesten Jahren wird dem rational denkenden Menschen eingetrichtert, dass er sich gefälligst zu freuen hat, wenn der Herbst einem die Tage versaut.

Rückblende: Die Gehirnwäsche beginnt im Kindergarten: jeden Tag imüssen rgendwelche den Herbst glorifizierenden Lieder geschmettert werden, bis die Kinder irgendwann selbst glauben, diese Jahreszeit sei die Wucht. Hei hussasa.

Die Indoktrination zieht sich über die Grundschule weiter bis hin zum Gymnasium. Für aufgeklärte und wache Menschen endet sie dort. Der mit der Pubertät gewachsene Widerstandswille stellt sich erfolgreich und für alle Zeit der Indian-Summer-Propaganda von Erziehern, Lehrern und Reiseveranstaltern entgegen.

Ständig dieses wechselhafte Wetter. Morgens bei Sonne in Sakko und Hemd ins Büro und abends bei Graupelschauer und sechs Grad frierend den Heimweg antreten. Hei hussasa. Entweder ist man zu dünn angezogen oder schwitzt sich in Mantel und Pullover kaputt, weil Hoch „Karl-Heinz“ es plötzlich noch einmal wissen will. Diese Jahreszeit trägt eine eindeutige Mittäterschaft an einem Verbrechen, das sich Übergangsjacke nennt. Ein Fetzen Stoff, der weder wärmt noch Regen abhält. Glückwunsch Mode-Industrie.

Und jetzt kommen Sie mir bitte nicht mit „Goldener Herbst”. Mag sein, dass an ein paar Tagen Sonne und bunte Blätter ein Landschaftsgemälde zaubern, wie es Claude Monet in einem seiner Sahnemomente kaum besser hätte malen können. Damit ist aber schnell Schluss. Dann fällt Laub auf Straße und Schienen. Dort schmiedet es zusammen mit dem Regen eine kreuzgefährliche Allianz gegen alles, was sich auf Rädern oder Lederabsätzen bewegt und pünktlich von A nach B gelangen möchte. Um Stürze und Verspätungen zu verhindern, hat der Mensch reagiert – mit dem Laubbläser. Hei hussasa.

Und dann das. Deutscher Herbst (1977), der Herbst des Lebens, also die Zeit kurz vor dem Dahinscheiden. Na, dämmert was? Diese Jahreszeit bringt Dunkelheit über uns. Nicht umsonst veröffentlichen regelmäßig depressive, lebensmüde finnische Musiker im November ihre vor Melancholie triefenden Alben.

Immerhin sorgt der Herbst selbst dafür, wie man ihn ertragen kann:

Er bringt uns Wein, hei hussassa!