Die Nachbarskatze

Mein Nachbar ist toll. Also wirklich. Er schraubt mit an meinem defekten Auto, am schiefen Klodeckel und lädt ein zu legendären Grill-Festen. Deshalb und auch nur deshalb beschied ich seine Bitte positiv: auf seine Katze aufzupassen, während er urlaubt. Eine Woche!

Katzen mag ich nicht so. Weil sie so launisch sind. Erst streichen sie um deine Beine, wiegen dich mit ihrem Schnurren in Sicherheit, um dann blitzartig zuzuschlagen. Mit ihren Krallen hinterlassen sie tiefe Spuren auf teurem Textil und  – bei weniger qualitätsvollem Webwerk – auch auf dem Unterarm. Gegen eine Katze ist ein hinterlistiger Dackel der Inbegriff von Vertrauen und Loyalität. Ich weiß noch nicht einmal, wie sie heißt.

Aber gut. Morgens und abends Wasser sowie Trockenfutter auffüllen – was ist das schon. Sogar das für Katzen wohl leckere aber durchaus intensiv riechende Hühnerbrocken-Gelee  kann ich ohne olfaktorisch Schaden zu nehmen aus der Packung pressen. Selbst das häufig besungene Katze(n)klo zu leeren ist gar nicht so schwer… denn da ist auch gar nichts drin! Das Scheiß-Vieh kackt nämlich mit Vorliebe auf flauschige Teppiche und hochwertige Tierfelle! Mmmmmh. Das geht ja super raus. 

Nur zur Erinnerung: Wir reden hier über eine Hauskatze. Ihr tägliches Stoffwechselendprodukt jedoch erinnert vom Ausmaß an einen Haufen, wie ihn ein Königstiger nach dem Verzehr eines Waldelefanten hinterlässt. Kombiniert mit einem Schuss beißendem Urin eine Geruchsmischung, die in mir den Wunsch an eine Gasmaske aufsteigen lässt. Mit Sichtschutz.

Doch da ist noch etwas anderes, das aufsteigt. Angst und Ekel. Und zwar auf jeder Heimfahrt nach der Arbeit. Welchen Flecken der Wohnung wird sich das Allergie auslösende Verdauungswunder dieses Mal ausgesucht haben, um es in eine Kloake zu verwandeln?   

Überlege bereits, zu drastischen Maßnahmen zu greifen, um meine Angstzustände sowie die Zerstörung der Nachbarswohnung einzudämmen. Kein Futter, keine Ausscheidungen.

Doch so weit will ich dann doch nicht gehen.
Heute blieb ja auch alles sauber.
Haben dann gespielt.
Schon süß.

 

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