Kein guter Monat

Kein guter Monat für Dortmund.
Der BVB verliert das Pokalfinale in Berlin. Kevin Großkreutz die Übersicht. Strullert 1A abgefüllt in die Hotellobby, nicht ins Klo. Vielleicht hat er sich einfach gedacht: große Stadt, große Toiletten …und ließ laufen…Gute Schlagzeilen bringt das aber nicht. Das Lokalradio fragt zu Hause sogar bei den Nachbarn nach. Ist der Kevin ein Eckenpisser? Bestätigen konnte das Gott sei Dank niemand. Eher ruhig, nett und nach allem was man so weiß auch stubenrein.

Schlimmer:
Die Kommunalwahl. In einem Wahlkreis gehen 13,5 Prozent der Stimmen nach rechtsaußen. Insgesamt 4000 Dortmunder wählen rechtsextreme Parteien – und die sitzen jetzt im Rat. Ein paar ihrer Wähler wollen deshalb am Wahlabend ins Rathaus. Vollgetankt und grölend. „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“. Friedlich sehen sie dabei nicht aus. Und auch nicht schön.

Der Staatsschutz ist da schon weg. Gibt Entwarnung, weiß nichts vom Ansinnen der Rechten, auf ihre Weise an der Wahlparty teilnehmen zu wollen. Andere schon, haben einfach bei Facebook geguckt. Sie teilen ihr Wissen aber vorsichtshalber nicht mit der Polizei. Clever ist das nicht. Das Ergebnis: Blockade, Klopperei und zehn Verletzte.
Frage: Was wäre passiert, man hätte die Rechten ins Rathaus gelassen? Dort hätten sie wohl mehr Schaden angerichtet, als der Kevin in der Berliner Hotellobby – und sich selbst entlarvt.
Jetzt können sie argumentieren, ein demokratisch gewählter Ratsherr und seine Anhänger seien am Betreten des Rathauses gehindert worden. Nicht gut. Gar nicht gut.

Und das noch:
Eine Studie nennt Dortmund eine Stadt der Drogen. Wissenschaftler haben das Abwasser von 42 Städten in Europa auf Kokain-Rückstände untersucht. Ihr Befund: London und Antwerpen sind die Spitzenreiter. Aber: Dortmund hat sich unter die Top Ten gekokst.
Irgendwo kein Wunder.
Bei dem Elend.
Siehe oben.

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Einunddreißig

Die Spannung im Raum ist mit den Händen zu greifen. Die Luft auch. Schweres Rasierwasser, Spaghetti Bolo und das, was aus dem Mund kommt, wenn sich die Kohlensäure vom fast verdautem Maibock und Grauburgunder löst und ans Licht strebt. Um einen Tisch sitzen Menschen. Männer und Frauen. In der Mitte liegen: Karten. Es wird gezockt. Hart.

Der schwache Schein des matt schimmernden Kronleuchters fängt die Szenerie nur schemenhaft ein. Vielleicht ist aber auch nur eine Kontaktlinse verrutscht. Oder aber am Sprichwort „Bier auf Wein, das lass sein“ ist tatsächlich was dran. Hin oder her: Der Geldstapel auf dem Tisch vor mir verliert seit Stunden dramatisch an Höhe. Das Deo an Wirkung. Nicht mehr lange und ich bin raus. Raus aus dem Spiel. Der Topf im Zentrum quillt beinahe über. Das könnte für eine Weile reichen…Doch auf der Hand nur Kraut und Rüben. Kleine Zahlen. Durcheinander. Ich brauche Asse. Am besten alle. Aber die sind wohl schon alle verteilt. Blicke voller List und Tücke huschen über die schwere Tischplatte. Der alte Mann mit dem sorgfältig zurückgekämmten Silberhaar schnaubt schwer. Die kleine Blonde kichert in sich hinein. Der levantinische Typ mit dem Schnauzer starrt nur vor sich hin. Jeder hält sein Blatt eng am Körper. Ausgebufft oder ausgeblufft? Das ist hier die Frage. Die zweite lautet: Wie bin ich hier bloß reingeraten?

Da. Ein Ass. Plötzlich liegt es vor mir. Gleich hab ich dich. Dann sieht alles wieder besser aus, ich wäre wieder im Rennen…doch dann schlägt Opa zu.
Bube, Zehn, Ass.
31.
Knack.
Ich bin raus.

Spieleabend in der Ferienwohnung.
Immer wieder schön.