Das Inselgleichnis

Wer öfter mit seiner Motoryacht durch das arabische Meer pflügt, muss sich nun ein wenig mehr vorsehen als sonst. Vor der pakistanischen Küste ist jetzt eine Insel aufgetaucht, die vorher auf keiner Seekarte zu finden war. Etwa 20 x 90 x 37 Meter, also circa so groß wie eine handelsübliche deutsche Parteizentrale.

Schuld für diese maritime Sturzgeburt ist ein furchtbares Erdbeben, das in Pakistan für verheerende Zerstörung gesorgt  hat. Das ist für die betroffenen Pakistaner schlimm und offenkundig eine schlechte Nachricht. Für andere Menschen, weit weit weg von den Küsten des Mittleren Ostens, kann es jedoch als ein Zeichen der Hoffnung gedeutet werden. Als ein Beispiel dafür, dass in aller Vernichtung  die Chance für einen Neuanfang liegt.

Für die seit Sonntag zerschmetterte FDP ist das eine gute Nachricht. Nur sollte sich die neue Führung der Liberalen bei der Wiedergeburt ihrer Partei nicht zu sehr an dem Inselgleichnis orientieren. Geologen  sagen, das graue Eiland bestünde nur aus Schlamm. Sie geben dem unansehnlichen Haufen nur ein paar Monate, dann haben die Wellen sie wieder verschlungen.

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Doppelsechs

Doppelsechs.  Lange Zeit habe ich bei diesem Wort an nimmersatte Sächsinnen gedacht, die voller Wollust nach dem ersten Beischlaf noch einen zweiten einfordern. Und war eingeschüchtert. Dann fiel mir auf, dass der Begriff vornehmlich beim Fußball verwendet wird. Gut, das schließt das Vorhandensein lüsterner Schönheiten mit Akzent immer noch nicht völlig aus, aber grenzt den Gebrauch und vor allem die Herkunft des Wortes doch einigermaßen ein.

Doppelsechs. Darauf kann nur die Fußballbranche kommen. Dort wo sich die alte Taktikhasen und Trainerfüchse  eine gute Nacht wünschen. In der Mathematik würde man einfach „12“ sagen. Aber beim Fußball sind nun mal nur elf Spieler pro Team erlaubt. Außerdem ist der Fan ja schon der 12. Mann – egal ob 12 oder 50.000 Leute im Stadion sind und plörriges Bier trinken.

Die Doppelsechs also. Erst gestern, als die besten der Millionen schweren deutschen Ballstreichler auf den Färöer Inseln eine Bande von Schafshirten und Feierabend-Fußballern glanzvoll mit 3:0 ins Meer gefegt haben, war die Doppelsechs gegenwärtig. Der Mann im Fernsehen jedenfalls sprach von ihr. Und maß ihr eine ungeheure strategische Bedeutung bei, während er die Mannschaftsaufstellung abarbeitete.

Ich kann mich noch erinnern. Früher gab es nur eine sechs – und die hieß meistens Guido Buchwald. Der hatte bis auf einen lichten Moment 1990 als er mit einem Übersteiger die gesamte Fußballwelt und vor allem die Holländer überraschte, nur eine Aufgabe, ok., zwei: hohe Bälle wegköpfen und alles andere kaputtmachen.  Und so eine Position soll jetzt beim modernen Spielaufbau so wichtig sein, dass sie gleich zwei Spieler bekleiden?  Auf den Färöer war davon jedenfalls nicht viel zu sehen. Das wirkte eher wie ein Werbespot für Doppelherz.