Früher

Oldie-Welle im Radio, Retro-Look auf der Straße und früher war ja sowie so alles besser. Bisweilen drängt sich der Eindruck auf, die Gegenwart habe für uns jeden Liebreiz verloren. Von der Verderben bringenden Zukunft ganz zu schweigen: Klimawandel, Rente mit 67 und Boris Beckers dritte Biografie.

Also verkriechen wir uns mit Guido Knopp in die Nostalgie-Ecke von ZDF-History und schwärmen von den guten Tagen als -ph- nicht nur ein Wert, sondern in der Orthographie noch eine weit verbreitete Kombination gewesen war.

Könnte mir nicht passieren, dachte ich. Bis am Bahnsteig der Zug einrollte.

Ein Doppelstockzug war kaputt. Die Bahn schickte als Ersatz ein Modell für eine Reise in längst vergangene Zeiten. So eines, wie es für gewöhnlich nur noch im Herbst für Sonderfahrten nach Rüdesheim zum Einsatz kommt. Mit Tanzwagon für die bumsfidelen Kegelclubs.

Dieser Regionalexpress bot zwar keine Gelegenheit zum gepflegten Ringelpiez, doch dafür eine Menge anderer Vorteile: nur eine Ebene für die Fahrgäste, Fenster, die sich öffnen ließen, um frischen Fahrtwind hinein- und kalt gepressten Pendler-Mief hinauszulassen. Dazu: geräumige, grün gepolsterte Sitzgruppen mit mehr Beinfreiheit und eine Gepäckablage, die ihren Namen verdiente und deren Kapazitätsgrenze nicht gleich mit einer gefalteten Wochenzeitung erreicht war.  

 Früher war zwar nicht alles besser – manches aber schon.

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