Der Tag danach

Der grelle Schein von Lichterketten und blinkenden Weihnachtssternen, die selbst der Stadtrat von Zabrze mittlerweile verboten hat, strahlt ein wenig matter.

Augen können wieder sehen.

Mit der tief hängenden Wolke, die alles und jeden mit dem Duft von Zimt, Bratapfel und zerplatzten Bockwürstchen umhüllt hat, muss sich dank Westwind jetzt der Russe rumschlagen.

Nasen können wieder riechen.

Die glockenhell und beschwingt vorgetragenen Lieder Rolf Zuckowskis, seinen 127 Kindern sowie zahlreicher nordamerikanischer Sänger, deren Konterfei es entweder nur in schwarz-weiß oder im weichen Licht der Homo-Erotik zu bestaunen gibt, haben verantwortungsbewusste Radioredakteure für die kommenden 48 Wochen sicher weggeschlossen.

Ohren können wieder hören.

Doch erst wenn irrlichternde Verkehrsteilnehmer nicht verständnisvoll mit den besten Wünschen für die Feiertage bedacht werden müssen, sondern mit den Worten „Pass doch auf, du Spacko“ und einer eindeutigen Handbewegung den Weg in die Hölle oder zur Umtauschkasse gewiesen bekommen,  ist klar: das Ende der Besinnlichkeit ist eingeläutet.

Irgendwie ein bisschen schade.

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