Hurensohn

Nicht nur jedem Anfang, sondern auch manchen Momenten wohnt ein Zauber inne. Sogar auf Bahnhöfen.

Ein normaler Werktag zur Feierabendzeit: Die trüben Pendleraugen hellen sich auf, als sie ein blondes Wesen am Fahrkartenautomaten erblicken, bei dem sich der Schöpfer ganz besondere Mühe gegeben hat. Langes, engelgleiches Haar, das den feinen Linien ihres Gesichts einen würdevollen Rahmen verleiht. Weich fallen die Locken den Rücken hinunter. Dazu ein Figürchen, das Wolfgang Joop die Tränen in die Augen treiben würde. Und dann diese langen Beine – selbstverständlich in edle italienische Designer-Jeans gehüllt. Die Habseligkeiten verstaute sie in einer Louis-Vuitton-Tasche.

Was sie wohl für eine Stimme haben mag?

Eine Sekunde später sollte sie erklingen:  Sie bricht den Kartenkauf überfordert ab und nennt den Ticketautomaten daraufhin einen „Hurensohn“.

Wie kurz diese zauberhaften Momente doch sind.

 

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