Montagsbaum

Sprechen wir über Tannenbäume.
Insbesondere um die Geburt des Religionsstifters zu feiern, gehören die – angeblich – immergrünen Naturerzeugnisse in diesen Tagen zur Grundausstattung abendländischer Wohnzimmer. Behangen mit Lichterketten, sehr berührungsempfindlichen Glaskugeln und allerhand fair Geschnitztem dient die Tanne dort als Zentrum der weihnachtlichen Zusammenkunft. So war es schon seit Anbeginn der Zeit – und so soll es auch immer bleiben.

Der ERSTE Baum, der unsere eheähnliche Wohngemeinschaft zieren sollte, MUSSTE also ein ganz besonderer sein. Heimatnah aufgewachsen und geschlagen, vom Wipfel bis zum Stamm gerade wie ein Obelisk, aber unten herum bitte schön buschig wie ein Ballkleid. Und nadeln… ja nadeln sollte er auch nicht.
All das, so sagte uns der Tannenwirt aus dem Sauerland, würde auf seine Nordmann-Tannen zutreffen. Auf der Ecke zur Hauptstraße hatte der Händler sein Baum-Lager aufgeschlagen. Immer sonntags säumen Stadtmenschen den kleinen Wald, wählen eine Tanne aus, zahlen einen obszönen Preis und gehen glücklich mit dem eingenetzten Grünzeug heim.

Was soll da schon schief gehen…

Ein bisschen. Der aufgeweckte Leser erinnert sich vielleicht noch an die Paranthese im zweiten Satz.
Gerade Nordmanntannen seien von einer unglaublichen Robustheit, haben wir mit den Jahren gelernt. Gut getränkt, behielten sie noch weit in den März ihr schönes grünes Kleid. Also erschienen uns die 42 Euro für ne 1,80 Meter Nordmanntanne aus Sundern auch angemessen.
Beim Schmücken offenbarte sich dann, dass es sich offenkundig um eine sogenannte Montagstanne handelt: Beim Auflegen der ultraleichten Lichterkette „Soft-Shine“ prasselten die Nadeln aus dem Baum, als ob ein brünftiges Schwarzbär-Pärchen dort gerade einander den Stamm hinaufjagte….

Zorn und Trauer wichen irgendwann Trotz und Beharrlichkeit, da der Händler natürlich schon über alle Berge war.
Mit der Geduld und Präzision eines schweizer Herzchirurgen gelang es schließlich, sämtlichen Schmuck anzubringen, ohne dass Nordmännchen seine charakteristische Form verlor. Weihnachten kann also kommen.

Wobei: Holz-Halbmonde und Mini-Säbel haben wir vergessen. Jetzt wo das Abendland angeblich kurz vor der Islamisierung steht, sollten wir vielleicht besser vorbereitet sein…

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