Mali, Algerien oder der Preis westlicher Politik

Über Jahrzehnte haben die Regierungen Europas und der USA die Machthaber in Nordafrika gehegt und gepflegt. Ben Ali in Tunesien, Gaddafi in Libyen und Mubarak in Ägypten waren Garanten für Stabilität. Dass ihre Herrschaft auf Gewalt, Terror und Menschenrechtsverletzungen basierte, wurde in Kauf genommen. Bis zum Arabischen Frühling.

Dann demonstrierten die Menschen dort, dass die Zeit für Diktaturen abgelaufen ist. Der Jubel über die Freiheitswelle, die über die arabische Welt hereinbrach, war plötzlich groß. Schnell beeilte sich der Westen, die  Demokratiebemühungen zu beflügeln – wenn es wie in Libyen sein musste auch militärisch.

Nun sind die Diktatoren im Exil, tot oder im Gefängnis. Sie hinterließen ein Machtvakuum, das die gemäßigten Kräfte vor Ort noch nicht gefüllt haben. Stattdessen haben sich radikale Islamisten überall in Nordafrika etabliert und ziehen jetzt grenzüberschreitend ihre Kreise. Bis Mali, wo ein neuer Krieg mit europäischer Beteiligung zu beginnen droht. Bis Algerien, wo militante Islamisten ausländische Arbeiter von BP als Geisel genommen haben. Bei der missglückten Befreiungsaktion der algerischen Armee sollen zahlreiche Geiseln ums Leben gekommen sein.
Auch das ist letztlich der Preis der westlichen Politik. Und er steigt immer höher.

Mein Kommentar ist in kürzerer Fassung auch erschienen auf: http://www.derwesten.de/meinung

Dazu empfehle ich die Einschätzung unseres Korrespondenten Martin Gehlen zur Lage in Nordafrika:
http://www.derwesten.de/politik/droht-nordafrika-ein-flaechenbrand-id7493137.html

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2 Kommentare zu “Mali, Algerien oder der Preis westlicher Politik

  1. Es stimmt zwar, dass die Diktatoren ein Machtvakuum hinterlassen haben – und auch einen Haufen herumvagabundierende Macht in Form von Waffenbeständen und vertriebenen Söldnern. Aber stark geworden (im Sinne von gesellschaftlichem Rückhalt) sind die ethnischen Rebellen und Islamisten schon unter den alten Diktatoren und gerade wegen der Ungerechtigkeit und mangelnden Perspektiven in diesen Systemen.

    Der Konflikt in Mali ist ja schon Jahrzehnte alt und bekommt durch die Söldner und die Islam-Hirnis „nur“ einen neuen Anstoß. Dazu: http://www.heise.de/tp/artikel/38/38364/1.html

    Drum krieg ich immer ne Krise, wenn ich den Allgemeinplatz von „Machthabern als Garanten für Stabilität“ lese. Letztlich ist das eine Frage der zeitlichen Perspektive. Langfristig produzieren Dikataturen Instabilität. Weil Ungerechtigkeit immer zu Instabilität führt. Zudem unterstelle ich, dass es auch bei der westlichen Militärhilfe nicht in erster Linie um Stabilität geht, sondern um gemeinschaftlichen Raub. Stabilität ist nur eine erstrebenswerte Voraussetzung dazu.

    (Vermutlich meintest Du das auch so ähnlich mit dem „Preis der westlichen Politik“, aber man kann den gesamten Kommi auch andersrum missverstehen, dass Du dir den Status Quo zurückwünschst – was sicher nicht der Fall ist. 😉

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