Sommerzeit

Diese Woche brachte zwei Erkenntnisse: Erstens, Kim Jong-Un gibt so schnell nicht klein bei und zweitens, Deutschland ist immer noch geteilt. Ich meine jetzt nicht geografisch, also in Aldi Nord und Aldi Süd, sondern zeitlich. Wenn selbst eine Flasche Klosterfraumelissengeist nicht mehr ausreicht, sich die monatelangen Winter-Depressionen wegzutrinken, dann erstrahlt am letzten März-Wochenende ein helles Licht am Ende des dunklen Tunnels. Die Sommerzeit kommt – aber nicht überall wird sie mit Jubel, Beifall und Straßenfesten begrüßt.

Denn mit ihr kommen auch die Diskussionen um die Sinnhaftigkeit der Zeitumstellung von 2 Uhr auf 3 Uhr auf. Die Argumente „länger hell” „Energieersparnis” und „wieso auch nicht” haben durch Studien an Legitimation verloren. Wissenschaftler warnen vor Beeinträchtigungen des Biorhythmus und weisen darauf hin, dass nicht unbedingt weniger Strom und Gas durch den Zähler gehen, nur weil es abends länger hell ist.

An der Wursttheke erzählen Menschen von ihren Gebrechen, die ihnen diese eine fehlende Stunde zufügt. Allein durch die ganze An-der-Uhr-Dreherei.  Es haben sich sogar Initiativen gegründet, die zur Abschaffung der Sommerzeit aufrufen. Ich selbst bin für diese Streitereien sogar dankbar, denn sonst würde ich den kleinen nächtlichen Zeitsprung regelmäßig verschlafen.

Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich eher als Anhänger der Sommerzeit bezeichnen. Das klingt doch schöner. Die Kombination der Worte Sommer & Zeit hat nach wochenlangen Minustemperaturen und eisigem Ostwind allein psychologisch eine große Wirkung. Das ist ein Signal: Leute, werft die Daunenjacken in den Keller und kauft euch Sandalen! Der Sommer ist unterwegs – wenngleich recht langsam…. Wobei man mit dem Tragen offenen Schuhwerks warten sollte, bis die letzte Salz- und Splittschicht mit Spezialhobeln von den Straßen abgetragen worden ist. Gibt sonst so hässliche Flecken an den Füßen…Die kriegt höchstens der Papst weggerubbelt. Aber der oberste Pedikeur der christlichen Welt ist ja auch nicht immer da wenn man ihn braucht.

Trotz dieser positiven Assoziationen ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Sommerzeit auch den einen oder anderen negativen Effekt mit sich bringt. So könnte trefflich darüber gestritten werden, ob das Vorstellen der Uhr in der Nacht zu Sonntag von 2 Uhr auf 3 Uhr nicht den Tatbestand des Diebstahls erfüllt. Schließlich wird ja eine Stunde gestohlen. Diese Stunde ist weg, so als hätte es sie nie gegeben. Selten passt der Satz „Wo ist nur die Zeit geblieben?” besser.

Jeder Mensch, der von Termin zu Termin hastet, weiß, wie kostbar Zeit ist. Da ist es nur verständlich, dass sich einige von ihnen aufregen, wenn jedes Jahr der Stundenklau aufs Neue beginnt. Mitbürger berichten von wochenlangen Schlafstörungen durch die Sommerzeit. Wobei ich das Argument eines Gegners, der an der Wursttheke berichtet, auf Grund des „gleißenden Lichts” im Sommer um 22 Uhr nicht einschlafen zu können, für ein wenig überdreht halte. Es gibt doch – Achtung Wortspiel – Rouladen…

Der Deutschen Bahn, die im Ruhrgebiet ohnehin von einer Verspätung zur nächsten zuckelt, fliegt der Fahrplan bei der Zeitumstellung vollends auseinander. Dann sind da noch die Schüler, die so gern eine Stunde länger schlafen würden. Schule um 9 statt um 8 Uhr. Jetzt müssen sie sogar noch eher aufstehen als im Winter. Aber wer kann dafür verantwortlich gemacht werden?

Aus der nordkoreanischen Sicht Kim Jong-Uns sicherlich der Imperialismus des Westens und sein ausbeuterisches kapitalistisches System. Aber deswegen gleich mit einem Atomkrieg drohen…?

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