Getrennter Sportunterricht

Wäre Fettnäpfchen-Zielsprung eine olympische Disziplin, Peer Steinbrück könnte sich berechtigte Hoffnungen auf eine Goldmedaille machen. Es ist bewundernswert, wie es ihm  immer wieder gelingt, einen überraschenden Treffer zu landen, wenn der Rest der Republik längst denkt, da kann doch jetzt nichts mehr kommen…

Nach teuren Reden und teuren Weinen nun also der Sportunterricht. Wenn möglich und erwünscht, nach Religionen getrennt, sagt der Kandidat. Hab’ ich mich geärgert. Dieser Vorschlag kommt für mich etwa 15 bis 20 Jahre zu spät. In den späten 80er und 90er Jahren wäre das was gewesen. Damals zur Schulzeit habe ich mir oft separierten Sportunterricht gewünscht. Jetzt nicht nach religiöser Zugehörigkeit getrennt. Das ist Quatsch. Gott ist sicherlich überall, aber nicht in einer nach kaltem Schweiß und altem Käse stinkenden Turnhalle. Nein, aber was wäre uns doch allen eine Menge Ärger erspart geblieben, wenn die Unterteilung wie folgt geschehen wäre: Bock und kein Bock. Warum mussten die armen Schulkollegen, die sich bei klassischen Schulsport-Disziplinen wie Fußball, Volleyball und Hockey als weitgehend talentfrei erwiesen haben, nicht nur sich, sondern auch noch ihre Mitschüler quälen? Diejenigen, die nach einer Doppelstunde Mathe wie aufgezogen durch die Halle sprangen und im 4:3:3 mit flacher Spitze oder einer Rauten-Formation ihr Glück fanden. Für alle Lehranstalten mit Doppel- oder gar Dreifach-Turnhalle wäre es doch ein leichtes gewesen: Auf der einen Seite der Trennwand hätten sich diejenigen einfinden können, die lieber dem Tanz, der Rhythmischen Sportgymnastik oder dem Blinde-Kuh-Spiel frönen wollten. Hauptsache Spaß an der Bewegung. Für den Rest wäre dann auf der anderen Seite Platz gewesen. Zufriedene und selbstbewusste junge Menschen wären so herangewachsen. 

Doch nichts davon. Die Folge waren Tränen. Sie kullerten die roten Wangen von enttäuschten Siebtklässlern herab, wenn ihnen beim Fußball bei der Wahl der Mannschaften noch der Mattenwagen vorgezogen wurde. Klar, menschlich tragisch, aber wer das voll belegte Transportmittel geschickt vor dem eigenen Strafraum platzierte, hatte in der Abwehr einen verlässlichen Partner an seiner Seite. Auch beim Hockey war die Heulerei groß, immer dann wenn ein wenig begabtes Mitglied des Klassenverbandes lustlos den Schläger schwang und beim weiten Ausholen und anschließenden Verfehlen des Balles große Lücken in die gerade frisch geschlossenen Zahnreihen seiner Mitschüler schlug. Glück dabei hatte, wer eine feste Zahnklammer trug – dann hing das entwurzelte Essbesteck wenigstens noch am Bügel.

Dass sich Ausflüge ins Leichtathletikstadion mit Speerwurf und Kugelstoßen zu reinsten Himmelfahrtskommandos inklusive Notoperationen entwickeln konnten, muss ich wohl niemandem erzählen. „Tim, das ist eine schwere Kugel, kein Ball!“  – „Den Speer bitte erst loslassen, wenn Du ihn am Kopf vorbei geführt hast.“ Sätze, die Lehrer niemals glaubten, jemals aussprechen zu müssen.

Aber so ist es nun einmal. Sport ist Mord, so oder ähnlich soll es ja schon Winston Churchill gesagt haben. Nun ist Steinbrücks Fettnapf zwar immer noch kein Sportgerät – einige schmerzhafte Schlagzeilen kann er aber schon verursachen…

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